Der neue Leiter von UniKasselTransfer Daniel Opper im Interview

Seit Juli ist Daniel Opper Leiter von UniKasselTransfer, der zentralen Transferabteilung der Universität Kassel. Zuvor war er Direktor des Bucerius Lab der ZEIT Stiftung in Hamburg. Im Interview spricht er über die künftige Strategie von UniKasselTransfer.

Herr Opper, stellen Sie sich bitte kurz vor. Was sollte die Science Park Community unbedingt über Sie wissen?

Zunächst: Ich freue mich, nach über 20 Jahren unter anderem für diese Aufgabe in meine Heimat Nordhessen zurückzukehren, die mir immer am Herzen lag! Wie viele aus meinem Jahrgang bin ich nach dem Abitur Anfang der 2000er erstmal aus Kassel weggezogen. Studiert habe ich in Göttingen, Berkeley und Hamburg - Politik, Soziologie, Medienwissenschaften und Kulturmanagement. Ich habe als Journalist gearbeitet und verschiedene Kulturprojekte mitgegründet, bevor ich zur gemeinnützigen ZEIT-Stiftung gekommen bin, wo ich die letzten zehn Jahre das Bucerius Lab, ein Labor für Zukunftsfragen, geleitet habe. Dabei haben wir uns u.a. mit Nachhaltigkeit, Digitalisierung und der Zukunft der Arbeit beschäftigt und vielen jungen Wissenschaftler*innen eine große Bühne geboten. So habe ich mich auch für das Thema Wissenschaftstransfer interessiert, denn bei unseren Projekten kamen immer  Wissenschaft und Praxis auf eine sehr konstruktive und kreative Art und Weise zusammen und haben gemeinsam an Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen gearbeitet. Nun freue ich mich über die Chance, mit den gesammelten Erfahrungen unsere Region ganz aktiv mitgestalten zu können.

Was reizt Sie an der neuen Aufgabe als Leiter der Transferabteilung der Universität Kassel? 


An der Aufgabe reizt mich insbesondere der an großen gesellschaftlichen Herausforderungen orientierte, breite Transferansatz, den die Universität Kassel verfolgt. Derzeit entwickelt die Universität einen SDG-Schwerpunkt mit 17 neuen Professuren, den wir mit Transferprojekten flankieren wollen. Im Verbund mit der Region könnte eine Plattform für eine Gründungsregion entstehen, die ganz konkret Lösungen für eine „sustainable future“ entwickelt, wissenschaftlich und praktisch. Das ist mehr als Transfer, denn es geht um gemeinsames Gestalten und Lösungen (er-)finden. Vielleicht brauchen wir dazu auch einen ganz neuen kollaborativen Begriff. Im angloamerikanischen Raum spricht man eher von „Impact“, den die Wissenschaft gemeinsam mit der Gesellschaft erzeugen kann.

Wo sehen Sie die Stärken des Wissenstransfers an der Universität Kassel? 


Schaut man aus der Ferne auf Kassel, dann steht die Region für Kultur, Wissenschaft und Natur. Diese Trias findet sich auch in der Gründungsgeschichte der Universität Kassel – und damit hat die Universität bereits etwas in ihrer „DNA“, um auf die drängenden Fragen der nächsten Jahrzehnte konkrete Antworten zu liefern. Diesen Prozess können wir mit UniKasselTransfer als „Scharnier“ zwischen Wissenschaft und Gesellschaft unterstützen. Dabei ist die Stärke von UniKasselTransfer die Vielfalt der Bereiche – so eine zentrale Einrichtung gibt es nirgends sonst.


An welchen Stellen sehen Sie noch nicht ausgeschöpfte Potenziale für den Wissenstransfer an der Universität Kassel?


Transfer im Sinne vom Austausch und gemeinsamen Arbeiten mit der Gesellschaft kann noch wesentlich dialogischer werden, z.B. durch öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen und ko-kreative Projekte. Das Wissenschaftsjahr 2022 ruft ganz explizit dazu auf, aktuelle Fragen aus der Gesellschaft in Forschungsfragen zu übersetzen. Dazu gehört die Idee von Civic Innovation, also Innovationsprozesse, deren Impulse und Fragen aus der Gesellschaft kommen und gemeinsam mit der Wissenschaft gelöst werden müssen. Wir könnten dazu beispielsweise semesterweise „Campus-Challenges“ zu einer großen gesellschaftlichen Herausforderung organisieren, die von allen Fachbereichen gemeinsam mit Praxispartnern gelöst wird. 

Auch im Bereich Beratung von Politik, Kultur und Gesellschaft sehe ich gerade mit Blick auf den neuen SDG-Schwerpunkt Potential. Hier sollten sich auch große Unternehmen und neue Startups beteiligen – Nachhaltigkeit ist ein Thema, das nicht im Widerspruch zur Wirtschaft steht. Im Gegenteil, Startups können Ideen für eine nachhaltigere Zukunft katalysieren, wo große Konzerne zu träge sind. Nur gemeinsam können wir beispielsweise noch ein 1,5-Grad-Ziel erreichen. Dazu gehört auch der Blick über die Region hinaus – hier ist sicherlich noch Potenzial für mehr überregionalen Austausch. Vielleicht können wir dafür einen Ort der Begegnung schaffen. 


Ausgründungen nehmen in vielfältiger Weise eine herausragende Rolle im Wissenstransfer ein – welche Rolle spielt das Thema Gründungsunterstützung bei der zukünftigen Entwicklung des Wissenstransfers?


Der Gründungsbereich ist durch den UKT-Inkubator und den Science Park bereits sehr gut etabliert. Ich sehe zwei Entwicklungspfade. Der eine weist in die Breite: Wie können wir auch unkonventionellere Startups, wie Social Businesses, noch besser fördern? Der andere weist in die Tiefe: Wie können wir Forschende motivieren und begleiten, Unternehmen aus Überzeugung zu gründen, die einmal richtig groß und wirkungsstark werden – so wie es die SMA-Gründer vorgemacht haben? Dazu gehört sicherlich auch die Frage, wie mehr Kapital nach Nordhessen kommen kann. Gerade mit Blick auf den Nachhaltigkeitsschwerpunkt und den Wandel in der Automobilbranche hin zur E-Mobilität gibt es sicherlich viel Potential für unternehmerische Lösungen. Wenn wir genug Gravitationskraft entwickeln, können wir vielleicht in Zukunft von einem „Sustainable Valley“ sprechen, das in Nordhessen entsteht.


Wo sehen Sie UniKasselTransfer in fünf Jahren und wo in zehn Jahren?


Mein Eindruck ist, dass Angebote an öffentlichen Institutionen oft von Förderprogrammen geprägt werden: wofür es Förderprogramme gibt, das machen wir. Das engt den Blick ein, auf das, was wir machen könnten. UniKasselTransfer könnte – gemeinsam mit dem Science Park und vielen Partner*innen in der Universität – ein echter Think & Do Ort für die Gestaltung der Region und Welt von morgen werden. Dafür müssen wir aber stark „Outside the box“ denken und agile, explorative Prozesse zulassen. Mir ist wichtig, dass wir solch eine Vision gemeinsam entwickeln!

www.unikasseltransfer.de

Es soll nicht heißen, man hätte Sie nicht informiert.

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