smarTransfer: René und Philipp entwickeln lieber eigene Produkte als bestehende anzupassen.

Entstanden ist der Freelancer-Hub Lyncronize

René Wegener hat gemeinsam mit seinem Mitgründer Philipp Bitzer am Fachbereich Wirtschaftsinformatik promoviert. Parallel begannen sie Beratungsleistungen für Unternehmen anzubieten. 2014 haben die beiden das Beratungsunternehmen smarTransfer gegründet und sind kurze Zeit später in den Science Park gezogen. Heute arbeiten sechs feste und vier freie Mitarbeiter für das Unternehmen.

Im Blog erzählt René, was ihn motiviert hat, zu gründen, wie sich ihre Produkte verändert haben, welchen Tipp er jungen Gründungsteams geben würde und wie das Team mit schwierigen Situationen umgeht.


Du hast einen Master in Wirtschaftspädagogik gemacht und dann an der Universität Kassel am Lehrstuhl Wirtschaftsinformatik bei Prof. Dr. Jan Marco Leimeister promoviert. Wann hast du beschlossen, dich selbständig zu machen?

Im Studium habe ich gar nicht an Selbständigkeit gedacht. Mein Berufsziel war Lehrer. Aber während der Promotion habe ich mich immer mehr an das Thema rangetastet. Wenn man promoviert, kann man entweder eine wissenschaftliche Laufbahn anstreben oder die Uni verlassen. Ich habe dann gemerkt, dass mir die Umsetzung viel mehr lag als die reine Methodik: Also Module entwickeln, testen, Feedback einholen. Wenn man als Angestellter in ein Unternehmen geht, bekommt man fertige Produkte vorgesetzt, die man anpassen und verkaufen muss. Aber mich hat angetrieben, eigene Produkte von Grund auf selbst zu entwickeln.

Am Lehrstuhl habe ich Philipp kennengelernt, meinen Mitgründer. Wir haben gemeinsame Beratungsprojekte im Bereich eLearning gemacht und dabei ist uns aufgefallen, dass die gängigen Methoden des Lernens sehr veraltet gewirkt haben: Vertriebsmitarbeiter wurden mit Standardvideos geschult ohne dass vermittelt wurde, wie sie das Wissen auf ihren jeweiligen Kunden anwenden können. Auch war die Umstellung auf andere Eingabegeräte, wie Smartphones noch gar nicht üblich. Wir haben dafür neue Ansätze entwickelt und neben unseren halben Uni-Stellen begonnen, Beratung für Unternehmen anzubieten. 2014 haben wir dann gegründet und sind kurze Zeit später in den Science Park gezogen.

Ihr habt dann euer Produkt, den „Expertfinder“ entwickelt. Was war die Idee und wieso seid ihr jetzt vermehrt im B2C Markt unterwegs?
Mitarbeiter wechseln heute häufiger und es ist wichtig, Quereinsteiger schnell einzuarbeiten und zu sehen, welche Kompetenzen im Unternehmen vorhanden sind. Unser Ziel mit dem „Expertfinder“ war es, eine Plattform zu schaffen, auf der Kompetenzen aufgespürt und Menschen miteinander vernetzen werden können. Die Dateneinabe erfolgt aber nicht manuell, sondern automatisiert: Wir werten aus, welche Trainings gemacht werden, an welchen Projekten gearbeitet wird, um daraus Vorschläge für ein Skill-Profil der Nutzer zu machen. Einmal im Monat findet ein Abgleich statt und der Mitarbeiter kann entscheiden, ob bestimmte Fähigkeiten seinem Profil hinzugefügt werden können.

Innerhalb eines Unternehmens ist es jedoch nicht klar, ob jeder Mitarbeitende sein Wissen teilen und sichtbar sein möchte. Es müssen also viele Abteilungen, wie Betriebsrat, Justiziare und Mitarbeitende einbezogen werden. Deshalb haben wir unser Produkt für Freelancer im Wissensbereich, sprich in IT, Data Science, Projektmanagement etc. weiterentwickelt, weil dieser Personenkreis auf dem Markt die größtmögliche Sichtbarkeit anstrebt und aufgrund der komplexen Wissensgebiete besonders damit zu kämpfen hat, die Profile zu aktualisieren und passende Projekte zu finden – vor allen Dinge bei den vielen Plattformen und Personalvermittlern die jedes Mal wieder ein eigenes Profil von den Freelancern wollen.

Wie hat sich das Produkt weiterentwickelt?
Uns wurde ja immer gesagt, dass unsere Technologie für Freelancer perfekt geeignet sei – als ehemalige Wissenschaftler lag es für uns aber erstmal nah, das ganze durch eine Befragung zu testen. Und genau das haben wir getan – wir haben im letzten November eine Umfrage unter Freelancer gestartet und waren völlig überwältigt von der Zahl an freiwilligen Teilnehmern, deren Einschätzungen und wieviele unser Produkt in der Beta schon testen wollten. Aktuell haben wir fast 500 Beta-Tester, unfassbar.

Naja, und dabei haben wir eine ganze Menge gelernt, die meisten Freelancer sind genervt von der Unübersichtlichkeit der gängigen Plattformen, dem Zwang und dem Aufwand der ewigen Profilpflege, der katastrophalen Suche auf den Plattformen, den häufig schlecht ausgebildeten Personalvermittlern und dass sie häufig nicht wissen wie sie sich positionieren sollen mit ihren Fähigkeiten, wo sie sich sinnvoll weiterbilden sollten und welche Tagessätze sie in bestimmten Gebieten anpeilen können.

Und das sind genau die drei Punkte, bei denen wir mit unserem Freelancer-Hub Lyncronize (www.lyncronize.de) ansetzen. Zuerst unterstützen wir die Freelancer aus unterschiedlichen Datenquellen, wie bspw. dem CV, ihr Profil automatisch zu erstellen. Dann gucken wir auf Basis der sehr detaillierten Profilbeschreibungen welche Projekte am besten zu dem Freelancer passen könnten und zuletzt schauen wir via Skill Analytics in welchen Bereichen sich eine Weiterbildung lohnt um zukunftssicher besonders lukrative Projekte zu bekommen. Und das Beste: Wir crawlen ganz viele verschiedene Plattformen die Projekte anbieten, so dass unsere Freelancer sich sicher sein können, das sie nichts verpassen, ein bisschen wie bei einer Meta-Suche.

Im Gegensatz zu anderen Plattformen und Projektportalen stehen bei uns zudem die Freelancer immer im Mittelpunkt. D.h. wir geben bspw. nicht ungefragt Kontaktdaten an Personalvermittler weiter.

Was sind die nächsten Schritte, die bei euch anstehen?
Aktuell ist unser Produkt noch in der „closed beta Phase“. Wir befragen unsere Zielgruppe zu ihren Wünschen, – also das typisch wissenschaftliche Vorgehen. Sie können die Plattform testen, allerdings nicht alle gleichzeitig, sondern stoßversetzt, damit wir vorhandene Bugs zwischendurch beheben können. Danach wird der Algorithmus nochmal angepasst, und wir wollen „open beta“ werden, sodass Nutzer nach der Registrierung einen Zugang bekommen. Anfang April möchten wir in die Open Beta gehen und in den darauffolgenden Monaten die Nutzerzahlen nochmal stark steigern.

Wie finanziert ihr euch?
Die Finanzierung erfolgt noch über Projektarbeit, teilweise Software-Entwicklung, aber auch Beratung, Projektmanagement, Software-Einführung und Wissensmanagement.
Wir wachsen aktuell organisch, können uns aber auch vorstellen für die Markteinführung von„Lyncronize“ Investoren an Bord zu holen, die zusätzliches Wissen mitbringen, wie skalierbare, digitale Geschäftsmodelle entwickelt und auf den Markt ausgerollt werden.

Wer sind eure Vorbilder?
Ich habe nicht das eine Vorbild, aber ich mag Unternehmen wie Slack, die erstmal ein Produkt für sich selbst schaffen und so weiterzuentwickeln, dass Kunden bereit sind, dafür Geld zu bezahlen. So entstehen häufig die richtig coolen Produkte. Diese Herangehensweise gefällt mir.

Was denkst du, wie sich euer Unternehmen idealerweise in 5 Jahren entwickelt hat?

Unsere Vision ist, dass Lyncronize in 5 Jahren das Standardtool für Freelancer ist, mit dem sie ihre Daten, ihren Lebenslauf, ihre Projekte und ihre Weiterbildung organisieren. Uns ist wichtig, dass das Produkt funktioniert und das wir uns komplett darauf fokussieren können.

Welchen Tipp würdest du jungen Gründerinnen und Gründern gerne geben?
So früh wie möglich an den Start gehen! Mit einer einfachen Version starten und damit in die ersten Tests gehen.

Ich habe gelernt, dass im B2B Bereich unglaublich viele Hürden sind und Prozesse sehr lange dauern und das hemmt die Produktenwicklung. Es ist unheimlich toll, wenn man eine Idee hat, mit der man direkt zum Endkunden gehen und immer weiter entwickeln kann. Eine klare Zielgruppe, die ich fürs Testing gut befragen kann, ist ein unglaublicher Vorteil. Deswegen: ein einfaches Geschäftsmodell, das ich schnell vorantreiben kann, ist Gold wert!

Wie wichtig sind Netzwerke für dich?
Superwichtig! Der Austausch mit anderen, sich zu Geschäftsmodellen, zur Entwicklung und zu technischen Themen auszutauschen, ist superwichtig.

Aber noch ein Tipp zum Feedback: Sortiert kritisch ein, wer Feedback gibt und welche Ahnung der andere von eurer Zielgruppe und eurem Geschäftsmodell hat. Es gibt auch viele Menschen, die Feedback geben ohne die Hintergründe zu kennen. Also hinterfragt immer kritisch, was ihr aus diesem Feedback machen wollt.

Wie geht ihr mit schwierigen Situationen um?
Da wir uns über Projekte finanzieren, ist das mit Unsicherheit verbunden. Was passiert, wenn das angekündigte Folgeprojekt nicht kommt? Da spielt natürlich auch mit rein: Wie sehr glaubt man an das Unternehmen. Wie wir damit umgehen? In schwierigen Dingen hilft es uns, zu überlegen: Was wollen wir persönlich? Woran hängen wir?
Und ganz sachlich: Wir versuchen immer feste Zeitpunkte zu definieren und die Optionen anzuschauen und dann anhand objektiver Gründe zu entscheiden.

Austausch ist wichtig, eine grundsätzliche Einigkeit im Team über die Ziele ist wichtig. Philipp und ich haben den gleichen Wertekompass, deswegen passt das gut.

Was mögt ihr am Science Park?
Als Gründer aus der Uni Kassel war der Science Park für uns die erste Adresse. Wir waren schon bei der Baustellenführung dabei. Die Räume sind hell und die Lage nahe der Uni ist schön für Hilfskräfte, die einfach rüberkommen können, aber auch für Mitarbeiter, die im Sommer an der Uni Kaffee trinken können und überall junge Menschen rumlaufen sehen. Das ist natürlich schöner als im Gewerbegebiet. Und natürlich ist die Vernetzung der Gründer untereinander beim FIRST TUESDAY oder Data Science Meetup wichtig. Wenn wir Besuch von Geschäftspartnern bekommen, können wir in die Lounge gehen.

Text: Gabriele Hennemuth

Der Beitag ist bereits auf dem Gründerblog der Universität Kassel veröffentlicht worden:
www.gruenderblog-uni-kassel.de

Es soll nicht heißen, man hätte Sie nicht informiert.

Das kann sich sehen lassen! Unsere Unternehmen im Science Park stellen sich vor.

Früher hieß es arbeiten …